14.09.2011 Snake Junction-Lake Creek 61 km

von Klaus Lüttgen (Kommentare: 0)

14.09.2011Snake Junction-Lake Creek 61 km

Bin um 12.05 Uhr los. Super Wetter, so um die 6°-8°+. Komme gut voran und die
Ausblicke sind wie jeden Tag grandios. Als ich nach 32 km über den White River
komme mache ich am gleichnamigen RV-Park halt und frage den Eigner nach
Trinkwasser. Die nun folgende Reaktion von ihm hätte ich niemals erwartet.
„Hier gibt es kein Trinkwasser, du musst 30 Miles weiter fahren, dort kriegst
du vielleicht welches.“ Als ich beidrehe kann ich das Schild auf einem der RV-
Plätze deutlich lesen: Drinkwater. Offensichtlich will er mir kein Wasser
geben! Bevor ich den Campground verlasse, halte ich an einem der Campmobile und
frage eine Frau nach Trinkwasser. „Hier im Office, da kannst du….Ich erkläre
ihr, dass der Eigner mir keines geben will, so geht sie zurück in ihren Camper,
um mir Wasser zu holen. Plötzlich fegt ein Quad um das Wohnmobil, taucht der
Eigner auf und rasend vor Wut schreit er mir entgegen „go up from my owen
ground you bullshit canadian, you bullshit ciclyst!!! Wenn das alles wäre,
versucht er mich mit seinem Quad von seinem Platz zu drücken. Das ist eindeutig.
Ich hau hier jetzt besser ab! Habe das untrügliche Gefühl, wenn ich auch nur
noch einen Moment zögere, zieht der Typ seine Kanone, die an seiner Hose
baumelt! Zurück auf dem Highway schaue ich zurück auf seinen Owen Ground. In
Reih und Glied wie auf einem Militärexerzierplatz stehen dort alte
Militärfahrzeuge, einige Jeeps und ein Panzerspähwagen……mitten in der Wildnis
des Yukon!? Zwei Tage später erfahre ich in Destruction Bay, dass der Typ
offensichtlich ein US-Amerikaner bekannt ist hier im Yukon für seine aggressiven
Avancen gegenüber den Kanadiern. Mir geht das Ganze nicht so richtig auf. Der
lebt hier in Kanada, obwohl er die Leute ablehnt…..das ist mir unbegreiflich!
Jetzt habe ich ein Problem, ich habe nur noch wenig Wasser und nicht vor, heute
nochmals über 45 km zurückzulegen. Voller Wut über diesen Ar… fahre ich erstmal
weiter Ich muss sehr bald an Trinkwasser kommen! Etwa 3 km weiter kommt mir ein
Auto entgegen. Als der Fahrer mich sieht macht er beinahe eine Vollbremsung.
Welch göttliche Fügung des Himmels! Kaum angehalten streckt mir der Mann eine
Flasche Wasser entgegen. Nahtan heißt der Junge Alaskaner aus Sitka. Er ist
ganz aus dem Häuschen und freut sich riesig, dass er endlich einmal auf einen
Radfahrer trifft, hier in dieser menschenleeren Gegend. Auf seinem
Dachgepäckträger transportiert Nathan sein eigenes Rad und ich freue mich
ebenfalls endlich mal wieder auf einen „Genossen“zu treffen. Nathan gibt mir
noch mehr Wasser und informiert mich über den Streckenverlauf der nächsten
Tage. Er schenkt mir noch etwas ganz besonderes . Ein Teilchen aus der
deutschen Bäckerei in Haines Junction. Dort werde ich natürlich in ein paar
Tagen und weiteren etwa 270 km selbst „Einkehr“ halten. Vielen Dank Nathan und
für deine Freundlichkeit schenke ich Dir diesen Kölner Karnevalsorden des
Prinzen aus dem Jahre 1971. Eine wirklich herzliche Begegnung, die ich nie mehr
im Leben vergessen werde! Dafür vergebe ich gerne „meinen Prinzen“. Bei diesem
Orden hatte ich nämlich lange gezaudert ihn abzugeben. Bei Nathan ist das mir
nicht mehr schwer gefallen und ich habe das erste Mal das Gefühl, dass mein
Vater ebenso gehandelt hätte und nichts dagegen einzuwenden hat, Nathan diesen Orden zu schenken.
Ich erreiche den Lake Creek-Campground nach 61 km und schlage mein Zelt unweit des
Flusses im Kitchen Shelter auf. Aus den Bergen kommen dunkle Wolken. Scheinbar
regnet oder schneit es in der Ferne, ich muss mich beeilen, der Wind wird
stärker, der Winter naht und mich überkommt ein mulmiges, ein ungutes Gefühl!

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Kommentar

Kommentar von Opitz Christine |

Hallo Klaus,
das war ein Abend heute,
spannend, interessant.
Hatte mir schon lange vorgenommen, Deine Berichte zu lesen, heute war es soweit.
Mann, was Du da geleistet hast, es ist enorm. Das Wetter, die Bärbegegnungen, aber die tollen Menschen. Das kenne ich, als ich 3 Wochen in Alaska mit dem Auto unterwegs war, ich kenne auch viele Strecken, die du gefahren bis, auch den Thompson Pass, Valdez, Peter kamper habe ich in Fairbanks verpasst, diese Einsamkeit, hatte nicht mehr viel Zeit, zu warten, weil ich in Dawson am übernächsten Tag verabredet war, Du, ich bewundere Dich sehr, diese Kälte, ...nun freue ich mich noch mehr auf Deinen Film, schön haste das geschrieben.
Liebe Grüsse Christine