16.09.2011 Rattennest-Destruction Bay 55 km

von Klaus Lüttgen (Kommentare: 0)

16.09.2011 Rattennest-Destruction Bay 55 km

…..und es geht langsam voran. Gegenwind, oh wie ich den jetzt hasse!
Im Rattennest habe ich nicht wirklich geschlafen und von Ratten und vom Ersticken geträumt.
Trotz Hütte habe ich gefroren. Das erste Mal auf der Tour habe ich starke
Rückenschmerzen und meine Beine sind wie gelähmt und das obwohl ich auf einer
Matratze geschlafen habe. So komme ich nur mühsam voran. Unterwegs auf einem
Parkplatz spricht mich eine Frau auf die Tour an. Interessiert fragt sie mich
aus und findet meine Geschichte so wie sie sagt, klasse. Die gebürtige Polin
lebt seit 1972 in Montreal. Bevor sie weiterfährt schenkt sie mir noch einen
Schokoladenriegel: hm, genau das richtige Futter jetzt. In immer kürzeren
Abständen muss ich anhalten und rasten, ich kann kaum noch. Der Gegenwind
kostet mich meine letzten Kräfte. Die Tour hat jetzt eindeutig ihre Spuren
hinterlassen, ich bin müde geworden und ganz ehrlich, denke ich immer öfter an
mein warmes Zuhause und an meine Heidi. Ein Stück weiter komme ich nach Burwash
Landing einer kleinen Siedlung. Nach einem Kaffee in der Lodge fahre ich
weiter, will heute noch bis Talbot Arm (Destruction Bay) kommen. Unterwegs
begegnet mir ein Auto. Der Mann, ein First Nation dreht das Fenster runter und
fragt, ob ich noch genug Trinkwasser hätte. Ja Sir, ich habe noch genug, danke.
Wenige km später erreiche ich Talbot Arm, direkt am Kluane Lake gelegen. Der RV-Park
ist fast leer, so frage ich nach einem Platz für mein Zelt. Das junge Mädchen
hinter der Theke reagiert offen gestanden ziemlich arrogant und meint nur: „no
we dont have tentplaces“! Auch als ich nachhake will sie mir partout keinen
Platz geben. Mit solch ausgesprochen unfreundlichem Verhalten habe ich nicht
gerechnet. Hier in der Wildnis hat man natürlich eine Monopolstellung mit einer
der wenigen Lodges. Trotzdem, was soll das? Ich verstehe das Getue nicht, hat
die auch was gegen Radfahrer!? Neben mir steht ein Mann, der das Ganze
mitbekommen hat. „Komm lass deine Sachen hier liegen, ich zeige Dir wo Du
übernachten kannst“. Offensichtlich hat er keinerlei Verständnis für das
arrogante Vorgehen dieser Göre! Sierge ist Franko-Kanadier und arbeitet als
Hausmeister und Bauarbeiter hier auf der Talbot Lodge. „Die Kleine hat keine
Ahnung von deiner anstrengenden Radtour“ und er kniept mit einem Auge. „So,
hier neben unserem Bauzelt kannst Du dir dein Zelt aufbauen Klaus. Wenn
irgendwer was will, sag einfach, Sierge hat dir das erlaubt“! Klasse, denke ich,
ein Arbeiter so wie ich es bin, danke Sierge! Sehr freundlich von Dir! Seine
Frau ist Hausangestellte und zeigt mir ebenso nett wo ich meinen nassen
Schlafsack trocknen, meine Sachen waschen und duschen kann. Für heute bin ich
erst einmal gerettet, denn erst in etwa 28 km Entfernung liegt der nächste
Campground und ob ich das heute bei diesem starken Gegenwind noch geschafft
hätte? Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe gehe ich duschen. Die fünf Dollar dafür
zahle ich gerne .Welch eine Wohltat. Bestimmt eine halbe Stunde lasse ich das
heiße Wasser über meine kalten Knochen laufen. Ich könnte im Stehen schlafen,
ziehe noch meinen heiß trockenen Schlafsack aus dem Trockner und mach mich raus
in die Kälte in mein Zelt. Der starke Wind schüttelt mächtig an meinem
Unterschlupf, ich drehe meine Dose Schokoladencreme auf, zieh mir ein paar gehäufte
Löffel voll davon rein und schlafe ob der Anstrengung des Tages alsbald tief
und fest.

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Kommentar

Kommentar von Opitz Christine |

Hallo Klaus,
das war ein Abend heute,
spannend, interessant.
Hatte mir schon lange vorgenommen, Deine Berichte zu lesen, heute war es soweit.
Mann, was Du da geleistet hast, es ist enorm. Das Wetter, die Bärbegegnungen, aber die tollen Menschen. Das kenne ich, als ich 3 Wochen in Alaska mit dem Auto unterwegs war, ich kenne auch viele Strecken, die du gefahren bis, auch den Thompson Pass, Valdez, Peter kamper habe ich in Fairbanks verpasst, diese Einsamkeit, hatte nicht mehr viel Zeit, zu warten, weil ich in Dawson am übernächsten Tag verabredet war, Du, ich bewundere Dich sehr, diese Kälte, ...nun freue ich mich noch mehr auf Deinen Film, schön haste das geschrieben.
Liebe Grüsse Christine